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Fünfter VdK-Stammtisch stieß auf großes Interesse - Sozialrechtliche Themen standen im Vordergrund

Wenn es einem gut geht, dann ist die Welt sprichwörtlich rosarot und man

kann bildlich gesprochen Bäume herausreißen. Doch tritt eine Erkrankung

auf, die nicht mal so eben abklingt und längerfristig, wenn nicht so gar

nicht lebenslang, einen begleiten wird, dann steht man vor fast

unüberbrückbaren Hürden. Dann ist guter Rat teuer. Nicht so, wenn man

den Sozialverband VdK an seiner Seite weiß. Denn darauf ist der Verband

unter anderem spezialisiert. Menschen zu helfen, die dringend Hilfe

benötigen.

Zum jüngsten Stammtisch hat der Vorstand des Ortsverbands Leimen den

Geschäftsführer des Bezirkverbands Nordbaden, Ronny Hübsch, in die

Räumlichkeiten des VfB Leimen eingeladen. Auch der Einladung sind

wieder zahlreiche Interessierte jeden Alters gefolgt und wollten hören, was

der Sozialexperte zu sagen hat. Ronny Hübsch war es an dem Abend

wichtig, dass nicht über sozial-politische Themen gesprochen wird,

sondern über sozial-rechtliche. Das hat den einfachen Grund, dass das

Themenfeld die Menschen hautnah betrifft. Das Sozialpolitische zwar

auch, doch das entscheiden eher höhere Amts-und Würdenträger und die

kleinen Leute bekommen dann die schlussendlichen Entscheidungen zu

spüren und müssen damit ‚leben‘. Zu Beginn seines Vortrags ging Ronny

Hübsch auf die wichtige Pflegeversicherung ein, bei der 2017 ein neuer

Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren

eingeführt wurde. Damit ist gewährleistet, dass erstmals alle

Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der

Pflegeversicherung haben. Neu ist dabei auch, dass psychisch Erkrankte an

der Pflegeversicherung teilhaben können (zum Beispiel aufgrund einer

Demenz). Pflegebedürftig sind dabei Personen, die gesundheitlich

bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und Fähigkeiten

aufweisen und aufgrund dessen der Hilfe durch andere bedürfen. Wichtig

ist dabei, dass dabei unterschieden wird. Handelt es sich ‚lediglich‘ um

einen beidseitigen Beinbruch, der in absehbarer Zeit wieder vollständig

verheilt, dann greift selbstverständlich nicht die Pflegeversicherung. Der

Gesetzgeber hat festgelegt, dass mindestens voraussichtlich eine

Pflegebedürftigkeit von 6 Monaten vorliegen muss, damit die

Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden kann. Hier kommt

aber der Pflegegutachter ins Spiel, der die Pflegebedürftigkeit anhand

eines vorgegebenen Beurteilungsbogens einschätzen und einteilen muss.

Daraus wiederum wird dann der Pflegegrad bestimmt und festgelegt. Zur

Zeit gibt es fünf Pflegegrade, wobei Pflegegrad 1 bedeutet, dass die

Selbständigkeit der Person nur geringe Beeinträchtigungen erfährt.

Pflegegrad 5 hingegen bedeutet schwerste Beeinträchtigungen der

Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische

Versorgung (diese Personen können erfahrungsgemäß nicht mehr zuhause

versorgt werden, da sie eine 24 Stunden Betreuung benötigen).

Der VdK-Experte Hübsch gab den anwesenden Zuhörerinnen und

Zuhörern mit auf den Weg, dass es elementar wichtig ist, dass man sich auf

den Termin und Besuch des Pflegegutachters gut vorbereiten soll, wenn

nicht so gar muss. Ebenso empfiehlt er, dass eine Vertrauensperson der

pflegebedürftigen Person anwesend ist, um zu unterstützen. Doch das

Wichtigste ist, dass sich die Pflegebedürftigen bei der Begutachtung nicht

besser stellen als sie es tatsächlich sind. Der Gutachter hat in der Regel 20

Minuten Zeit, um die Person zu beurteilen und kann daher garnicht den

ganzen Tag der Pflegebedürftigen einsehen und begutachten. Über allem

steht die Frage ‚wie selbstständig ist die Person‘. Doch wo kommt nun der

VdK ins Spiel?, fragte Herr Hübsch in die Runde. Na, zum Beispiel, bei

der neutralen Begutachtung, ob der Pflegegrad objektiv richtig

eingeschätzt und bestimmt wurde. Hierzu ist es wichtig, dass die

betroffene Person alle Unterlagen wie medizinisches Gutachten und

Ähnliches mit zu der kostenlosen Beratung beim VdK vor Ort mitbringt.

Dort wird dann alles ganz genau besprochen und geschaut, ob und wenn

ja, wo Fehler bei der Begutachtung gemacht wurden. Sollten Fehler

gemacht worden sein, setzt sich der VdK hierfür ein und streitet,

gegebenenfalls auch vor Gericht, für einen höheren Pflegegrad. Ronny

Hübsch gibt aber auch aus seiner Praxis und Erfahrung zu bedenken, dass

man hierzu einen langen Atem braucht. Solche Gerichtsverfahren dauern

in der Regel gut eineinhalb Jahre. Eine Neu-Beantragung des Pflegegrads,

bei der selbstverständlich der VdK die betroffene Person unterstützt und

begleitet, dauert hingegen rund drei Wochen. Es kann sich also mehr als

lohnen, sich fachkundigen Rat und Unterstützung beim VdK vor Ort zu

holen. Der VdK lässt niemanden alleine und im Regen stehen, merkte der

Redner an. Neben diesem Thema ging der Geschäftsführer des VdK noch

auf die immensen Kosten für die stationäre Pflege ein. Hierzu ist es

wichtig zu wissen, dass niemand, der ein Eigenheim besitzt, befürchten

muss, dass er bzw. sie dieses weggenommen bzw. verkaufen muss, sollte

er oder sie in das Pflegeheim müssen. Sicher besteht seitens des Staates im

Allgemeinen und dem Sozialamt im Speziellen die Möglichkeit auf das

Hab und Gut zu zugreifen, aber nur in Form einer Grundsicherung auf die

Immobilie, die wiederum die Erben dann ‚ablösen‘ müssen. Zudem sprach

Ronny Hübsch über die Kurzzeitpflege und teilstationäre Pflege und klärte

die Gäste des Stammtisches auf. Zum Abschluss seines sehr interessanten

Vortrags gab er allen Anwesenden mit auf den Weg, sollte eine

Schwerbehinderung vorliegen und der Grad der Behinderung wurde

amtlich anerkannt und der-oder diejenige spielt mit dem Gedanken einen

Erhöhungsantrag zu stellen, dann ist es wichtig zu wissen, dass das keine

Einbahnstraße ist. Soll heißen, der Weg, hier die Erhöhung, führt nicht nur

steil nach oben, sondern kann auch nach unten gehen. Übersetzt gesagt,

der Grad der Behinderung kann auch nach unten korrigiert werden. Einen

Bestandsschutz auf bisherigen Prozente gibt es nicht.

Mit diesem Wissen und den neuen Erkenntnissen saßen die

Stammtischgäste noch lange zusammen und diskutierten auch eifrig über

den Vortrag. Was auch dabei zum Ausdruck kam, der VdK ist eine sehr

wichtige und keineswegs antiquierte Institution aus Nachkriegszeiten,

sondern eine zeitgemäße nicht mehr wegzudenkende Institution, die alle

Benachteiligten vollumfänglich unterstützt und jedem und jeder zur Seite

steht. Mitglied werden lohnt sich! Nicht nur für einen selbst, sondern man

unterstützt auch andere damit.



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